Andacht aus der Juli-Baustelle

„Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe!

Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen,

bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“
(Hosea10,12)

 

Vierzehn Kapitel Leidenschaft. Vierzehn Kapitel Zorn. Alles kommt vor im Prophetenbuch Hosea, was auch heutzutage die Medien zu berichten wissen: die Gier, die den Hals nicht voll genug kriegt; der Einsatz der Schläue, wie man Gesetze umgeht, um die Götter mit den Namen „Reichtum“ und „Wohlstand“ zu mästen.

Zum Tagesgeschäft Israels gehörten auch damals schon – zur Zeit des Propheten Hosea - „Lügen“, „Morden“, „Stehlen“, Zerstörung der Familien im „Rausch der Triebhaftigkeit“.

Wer jetzt denken sollte, dass der Prophet da aber mächtig die Keule der Moral schwingt, weil ihm wohl dies oder jenes nicht passt, kennt nicht den Sinn prophetischer Worte und will möglicherweise auch nichts davon wissen, wozu das eigene Herz fähig ist. Dabei wäre es schon etwas Großes, wenn manche Herren in der Autoindustrie oder sonst wo etwas durchgreifender erschrecken würden über ihre volksverdummenden Manipulationen und sich anschickten, mit tätiger Reue die Milliarden zu investieren, die nötig sind für den nächsten Schritt und viele weitere Schritte im Respekt vor der Schöpfung Gottes und der Zukunft unserer Enkel.

Moralische Selbstverbesserung. Ja, das ist schon etwas. Aber oft genug ist das nur etwas Notgedrungenes, um eine bessere Fassade zu zeigen. Vor Gott aber geht es um etwas viel Tiefgreifenderes.

„Du hast die Erkenntnis Gottes verworfen“ sagt der Prophet im Namen Gottes. „Es ist Zeit, den Herrn zu suchen.“ Das ist der Urimpuls aller prophetischen Rede. Menschen mögen mit müdem Lächeln von oben herab zur Kenntnis geben, dass man ihnen im 21.Jahrhundert mit Gott bitte nicht mehr kommen möge.... Die Zukunft wird ihnen nicht gehören.

Die Zukunft und die Ewigkeit liegen in Gottes Händen. Und er schenkt sie denen, die von den Thronen ihrer selbstherrlichen Taten hinabsteigen, sehr still werden, ihr Herz öffnen, Gottes Stimme suchen und anfangen, zu buchstabieren, was denn wohl Gerechtigkeit in ihren sehr persönlichen Entscheidungen bedeuten will und was (mal nicht die Welt der Schlager, sondern) die Bibel meint, wenn sie von der Liebe und ihrer Frucht spricht.

Ihretwegen, meinetwegen, einer hellen Zukunft wegen, alles in allem: Gottes wegen.

Das prophetische Wort: Mit der Feststellung, dass es auch nach über 2700 Jahren ohne Wenn und Aber als Gottes lebendiges gegenwärtiges Wort Eingang finden will in die Grundentscheidungen Ihres und meines Lebens,

grüßt Sie

 

Ihr/Euer Pfarrer i.R. Gerd Schilling

Andacht aus der Juni-Baustelle:

"Gastfrei zu sein, vergesst nicht,

denn dadurch haben einige

ohne ihr Wissen Engel beherbergt."

Heb 13, 2

 

 

 

 

 Ich sah einmal einen Film, der irgendwo in der Weite Russlands spielte, in der Armseligkeit eines kleinen Bauerndorfes. Da wohnte eine 9-köpfige Familie in einem kleinen Häuschen, sie hatten es schwer mit dem Auskommen, nicht jeden Tag war genug zu Essen da. Es meldete sich Besuch an, zwei Vettern sollten kommen. Die Hausfrau beklagte sich, sie wusste nicht, wie sie die beiden bewirten sollte, sie hatten selbst doch nicht genug, jetzt auch noch Gäste! Da guckte sie der Großvater ganz entrüstet an. Und sagte nur vier Worte: "Gäste sind ein Segen!" Eine sehr eindrucksvolle Antwort, wie da im jämmerlichen Elend ein alter Mann aus seiner Lebenserfahrung voll Überzeugung dies Prinzip gegen allen objektiven Mangel und alle Probleme verteidigt: "Gäste sind ein Segen!"

 Das erfährt einmal im Alten Testament auch Abraham.

 Drei Männer kommen an seinem Zelt vorbei. Er lädt sie ein und bewirtet sie, aber erwartet absolut nichts von ihnen als Gegenleistung. Auch dass es mit ihnen etwas Besonderes auf sich hat, erkennt Abraham nicht. Die drei sind aber von Gott geschickte Engel und haben für ihn eine großartige Botschaft: Er soll, obwohl er schon ein alter Mann ist, doch noch bekom-men, was er sich bisher immer vergeblich als dringendst gewünscht hat: einen Sohn.

 Man kann dann auch lesen, wie sich Abraham, im Gegensatz zu seiner Frau Sara auf diese Männer einlässt und ihnen glaubt. Und daraus kann man eine Lehre ziehen: Wer in seinem Haus gastfrei ist, hat natürlich zuerst Aufwand. Es gibt etwas zu Essen, ein Zimmer ist belegt, Zeit wird beansprucht, hinterher muss sauber gemacht, aufgeräumt, gespült werden. Für manchen bedeutet es auch Willensaufwand, weil man sich schwer tut mit menschlichen Kontakten, weil man 'lieber für sich' ist, das ist so ein typisch deutsches Problem. Der Wille muss bemüht werden, um Gäste nicht nur theoretisch zuzulassen, sondern auch bewusst einzuladen. Genau dadurch aber kann man ganz reich beschenkt werden. Wenn man sich dann auf die Gäste einlässt, wie Abraham.

 Denn jeder Mensch hat etwas zu sagen und zu bringen, nämlich seine besondere Botschaft aus seiner besonderen Geschichte und Lebenssituation. Jeder Mensch hat irgendeinen Aspekt aus dem Leben besonders gut verstanden und kann ihn auf seine ganz einzigartige Weise ausdrücken. Wenn man sich denn Zeit nimmt, zuzuhören. Wenn man offen ist dafür. Das ist der Segen, den der Gast in unser Haus trägt.

 Wir wollen auch gastfrei sein in unsern Gemeindehäusern und dorthinein einladen. Dabei gibt es bei uns erstmal nichts Besonderes. Kirchliche Häuser sind mit bescheidenen Mitteln gebaut, es gibt noblere Häuser mit mehr Luxus und beeindruckenderer Architektur. Aber die Gastfreiheit der Gemeinde ist Abbild, ja noch mehr, ist vielleicht sogar 'Anmeldezimmer' für die Gastfreundschaft Gottes.

 Wir laden ein, hier vielleicht ein erstes Mal zu Gast zu sein und dann hier ein zu Hause zu bekommen. Dann gilt nicht nur, dass Gäste ein Segen sind, sondern dass Gäste auch gesegnet sind, wenn sie etwas erleben können, das ihren Glauben stärkt. Wenn sie hier nicht nur von der Gemeinde etwas bekommen: Kaffee oder Kekse oder Unterhaltung. Sondern von Gott etwas bekommen. Ein Wort, einen Gedanken, eine geistliche Erfahrung die stärkt und den Glauben lebendig hält. Bis dieser Glaube eines Tages überflüssig ist, weil wir im Haus Gottes im Himmel sehen dürfen, was wir hier in unseren irdischen Häusern geglaubt haben.

Mit herzlichen Grüßen, ihr Pfarrer Frank Schröder

 

Andacht aus der Mai-Baustelle:

Monatsspruch:

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen,

was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem,

was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

 

 Die Botschaft des Monatsspruchs ist in unserer Zeit alles andere als selbstverständlich und allgemein akzeptiert: Der Glaube ist eine feste Zuversicht! Was für ein Gegensatz zu der weit verbreiteten Ansicht: „Glauben heißt nicht wissen“! Weiter lesen wir in Hebräer 11,1 über den Glauben: Er ist ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht! Ein weiterer Gegensatz zu einer Haltung, die uns oft begegnet: „Ich glaube nur, was ich sehe!“ - Hinter den beiden von mir benannten Gegensätzen steht die Grundhaltung: Was man nicht wiegen, greifen, sehen kann, ist unwichtig. Oder anders formuliert: Was nicht messbar ist, das gibt es nicht!

 Obwohl wir Gott nicht mit unseren Augen sehen können, können wir seine Nähe und Gegenwart erfahren und spüren. Und das, was Gott uns persönlich zu sagen hat, ist oft sehr konkret und erfahrbar - wenn wir das Wort Gottes hören und tief in uns aufnehmen.

 Auch und besonders durch das Reden und Handeln von Jesus in der Zeit seines Erdenlebens hat Gott zu uns geredet. Die Ereignisse von damals, was Jesus gesagt und getan hat, sind uns über zahllose Generationen glaubwürdig bis heute überliefert. Da haben Zeugen berichtet, was sie gehört und gesehen haben. Dies alles wurde sorgsam aufgeschrieben und weitergegeben. Die Botschaft vom Wirken Jesu, von seinem Sterben und seiner Auferstehung sind jeweils durch zahlreiche Augenzeugen belegt. Wenn dies alles nur eine „Erfindung“ der Jünger Jesu gewesen wäre, bliebe die offene Frage: Was hat die verzweifelten und ängstlichen Jünger nach dem Tod Jesu so stark gemacht und zum Bekenntnis trotz der Gefahr von Verfolgung und Tod bis heute motiviert? Der mit Abstand wahrscheinlichste Grund für das Zeugnis der Jünger ist, dass Jesus wirklich auferstanden ist und er selbst seine Freunde für ihre Aufgabe gestärkt hat - und dies bis heute tut!

 

Euer/Ihr Pfr. Jörg Zogass