Andacht aus der Juni-Baustelle:

"Gastfrei zu sein, vergesst nicht,

denn dadurch haben einige

ohne ihr Wissen Engel beherbergt."

Heb 13, 2

 

 

 

 

 Ich sah einmal einen Film, der irgendwo in der Weite Russlands spielte, in der Armseligkeit eines kleinen Bauerndorfes. Da wohnte eine 9-köpfige Familie in einem kleinen Häuschen, sie hatten es schwer mit dem Auskommen, nicht jeden Tag war genug zu Essen da. Es meldete sich Besuch an, zwei Vettern sollten kommen. Die Hausfrau beklagte sich, sie wusste nicht, wie sie die beiden bewirten sollte, sie hatten selbst doch nicht genug, jetzt auch noch Gäste! Da guckte sie der Großvater ganz entrüstet an. Und sagte nur vier Worte: "Gäste sind ein Segen!" Eine sehr eindrucksvolle Antwort, wie da im jämmerlichen Elend ein alter Mann aus seiner Lebenserfahrung voll Überzeugung dies Prinzip gegen allen objektiven Mangel und alle Probleme verteidigt: "Gäste sind ein Segen!"

 Das erfährt einmal im Alten Testament auch Abraham.

 Drei Männer kommen an seinem Zelt vorbei. Er lädt sie ein und bewirtet sie, aber erwartet absolut nichts von ihnen als Gegenleistung. Auch dass es mit ihnen etwas Besonderes auf sich hat, erkennt Abraham nicht. Die drei sind aber von Gott geschickte Engel und haben für ihn eine großartige Botschaft: Er soll, obwohl er schon ein alter Mann ist, doch noch bekom-men, was er sich bisher immer vergeblich als dringendst gewünscht hat: einen Sohn.

 Man kann dann auch lesen, wie sich Abraham, im Gegensatz zu seiner Frau Sara auf diese Männer einlässt und ihnen glaubt. Und daraus kann man eine Lehre ziehen: Wer in seinem Haus gastfrei ist, hat natürlich zuerst Aufwand. Es gibt etwas zu Essen, ein Zimmer ist belegt, Zeit wird beansprucht, hinterher muss sauber gemacht, aufgeräumt, gespült werden. Für manchen bedeutet es auch Willensaufwand, weil man sich schwer tut mit menschlichen Kontakten, weil man 'lieber für sich' ist, das ist so ein typisch deutsches Problem. Der Wille muss bemüht werden, um Gäste nicht nur theoretisch zuzulassen, sondern auch bewusst einzuladen. Genau dadurch aber kann man ganz reich beschenkt werden. Wenn man sich dann auf die Gäste einlässt, wie Abraham.

 Denn jeder Mensch hat etwas zu sagen und zu bringen, nämlich seine besondere Botschaft aus seiner besonderen Geschichte und Lebenssituation. Jeder Mensch hat irgendeinen Aspekt aus dem Leben besonders gut verstanden und kann ihn auf seine ganz einzigartige Weise ausdrücken. Wenn man sich denn Zeit nimmt, zuzuhören. Wenn man offen ist dafür. Das ist der Segen, den der Gast in unser Haus trägt.

 Wir wollen auch gastfrei sein in unsern Gemeindehäusern und dorthinein einladen. Dabei gibt es bei uns erstmal nichts Besonderes. Kirchliche Häuser sind mit bescheidenen Mitteln gebaut, es gibt noblere Häuser mit mehr Luxus und beeindruckenderer Architektur. Aber die Gastfreiheit der Gemeinde ist Abbild, ja noch mehr, ist vielleicht sogar 'Anmeldezimmer' für die Gastfreundschaft Gottes.

 Wir laden ein, hier vielleicht ein erstes Mal zu Gast zu sein und dann hier ein zu Hause zu bekommen. Dann gilt nicht nur, dass Gäste ein Segen sind, sondern dass Gäste auch gesegnet sind, wenn sie etwas erleben können, das ihren Glauben stärkt. Wenn sie hier nicht nur von der Gemeinde etwas bekommen: Kaffee oder Kekse oder Unterhaltung. Sondern von Gott etwas bekommen. Ein Wort, einen Gedanken, eine geistliche Erfahrung die stärkt und den Glauben lebendig hält. Bis dieser Glaube eines Tages überflüssig ist, weil wir im Haus Gottes im Himmel sehen dürfen, was wir hier in unseren irdischen Häusern geglaubt haben.

Mit herzlichen Grüßen, ihr Pfarrer Frank Schröder

 

Andacht aus der Mai-Baustelle:

Monatsspruch:

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen,

was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem,

was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

 

 Die Botschaft des Monatsspruchs ist in unserer Zeit alles andere als selbstverständlich und allgemein akzeptiert: Der Glaube ist eine feste Zuversicht! Was für ein Gegensatz zu der weit verbreiteten Ansicht: „Glauben heißt nicht wissen“! Weiter lesen wir in Hebräer 11,1 über den Glauben: Er ist ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht! Ein weiterer Gegensatz zu einer Haltung, die uns oft begegnet: „Ich glaube nur, was ich sehe!“ - Hinter den beiden von mir benannten Gegensätzen steht die Grundhaltung: Was man nicht wiegen, greifen, sehen kann, ist unwichtig. Oder anders formuliert: Was nicht messbar ist, das gibt es nicht!

 Obwohl wir Gott nicht mit unseren Augen sehen können, können wir seine Nähe und Gegenwart erfahren und spüren. Und das, was Gott uns persönlich zu sagen hat, ist oft sehr konkret und erfahrbar - wenn wir das Wort Gottes hören und tief in uns aufnehmen.

 Auch und besonders durch das Reden und Handeln von Jesus in der Zeit seines Erdenlebens hat Gott zu uns geredet. Die Ereignisse von damals, was Jesus gesagt und getan hat, sind uns über zahllose Generationen glaubwürdig bis heute überliefert. Da haben Zeugen berichtet, was sie gehört und gesehen haben. Dies alles wurde sorgsam aufgeschrieben und weitergegeben. Die Botschaft vom Wirken Jesu, von seinem Sterben und seiner Auferstehung sind jeweils durch zahlreiche Augenzeugen belegt. Wenn dies alles nur eine „Erfindung“ der Jünger Jesu gewesen wäre, bliebe die offene Frage: Was hat die verzweifelten und ängstlichen Jünger nach dem Tod Jesu so stark gemacht und zum Bekenntnis trotz der Gefahr von Verfolgung und Tod bis heute motiviert? Der mit Abstand wahrscheinlichste Grund für das Zeugnis der Jünger ist, dass Jesus wirklich auferstanden ist und er selbst seine Freunde für ihre Aufgabe gestärkt hat - und dies bis heute tut!

 

Euer/Ihr Pfr. Jörg Zogass

Andacht aus der April-Baustelle:

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch!

Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Joh 20,21)

 

Die Jünger Jesu versammelt. Die Türen verrammelt. Im Dunkel des Abends versteckte Gesichter. Aus Angst vor Verfolgung erschreckte Gemüter – so fängt für sie Ostern an…

Komisch, oder? Wie passen die Nachfolger Jesu und Angst zusammen?
Passen würde: Hüpfende und jubelnde Nachfolger Jesu, die aus vollen Herzen und Hälsen herausbrüllen: „Jesus lebt! Er ist auferstanden!“ So hatten sie es doch von Maria von Magdala gehört. Aber sie glaubten der ersten Auferstehungszeugin nicht. Ein Toter, der lebt?!? Das ist schon unglaublich genug und dann soll man das auch noch als Mannsbild einer Frau glauben, die vor lauter Emotion irgendwen lebendig gesehen haben will. Da wartet man(n) doch lieber erst einmal hinter verschlossenen Türen ab.

Es stimmt: Vieles will irgendwie nicht passen und doch passt es… Weil es auf uns passt!
Auch wir hören und lesen vom Auferstandenen; wir glauben und doch verstecken wir unseren Glauben. Verschlossene Türen sind bei uns oftmals verschlossene Herzen, die noch nicht aufgebrochen wurden durch den Glauben, der so langsam vom Hören und Lesen vom Kopf ins Herz kriechen muss, damit es eben nicht bei verschlossenen Türen und sich versteckenden Jüngern Jesu bleibt! Aufgestoßene Türen und mutige Nachfolger Jesu – das passt doch. Aber wie kommt es dazu?

Es kommt dazu, durch den, der dazu kommt! Durch den, der einfach so durchkommt, durch verschlossene Türen. Durch den, der sich mitten rein stellt in die Angst und vor die erschrockenen Gesichter seiner Leute. Und dann sagt er nicht: „Schande über euch! Schämt euch was!“ Er sagt euch nicht: „Reißt euch doch endlich mal zusammen!“

Nein, er sagt: „Friede sei mit euch!“
Die Angst und die Enttäuschung seiner Leute hindern Jesus nicht daran, ihnen zu begegnen. Ihr Unglaube und ihr Unverständnis halten ihn weder ab noch auf! Im Gegenteil, sie scheinen ihn geradezu dazu einzuladen, die unfriedliche Situation mit seinem Frieden zu verändern. Und so scheint es am Ende, als würden Angst, Enttäuschung und Zweifel, eben doch sehr gut zu Jesus passen!

Denn genau deshalb brauche ich diesen Jesus, der so zu mir durchkommt und der sich durch meine Zweifel und meine Angst nicht abhalten lässt, mir seinen Frieden zu geben!

Das, was die Jünger Jesu am Ende froh macht, ist nicht die Macht ihres Herrn, sondern die Wundmale der Kreuzigung. Er zeigt ihnen nicht die zukünftigen Thronsessel im Himmel, sondern die Spuren von Nägeln und Lanze. Die Zeichen der Gnade und der Vergebung!

Wer darüber endlich froh werden kann, hat Frieden gefunden und damit auch die Freiheit, gesendet werden zu können. Nicht meine Leistungsfähigkeit ist die Voraussetzung für die Sendung, also den Auftrag Jesu, sondern dieser Friede, der mir geschenkt wird und den ich nicht verdienen oder erarbeiten kann.

„Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“

Wer wird denn da jetzt nach draußen zu den Menschen gesendet? Perfekte, starke Jesusleute? Nein, vielmehr sind es die Erschrockenen und die Ängstlichen. Die, die es immer wieder nötig haben, dass ihr Herr ihnen begegnet. Sich vor sie stellt. Sich sehen lässt. Die Zeichen seiner Gnade zeigt und seinen Frieden zuspricht. Und genau das wünsche ich uns allen für dieses Osterfest!

 

Ihr/Euer Prädikant Tobias Krause