Andacht aus der April-Baustelle:

Jesus Christus spricht:
Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Matth. 28,20

 

Der Krieg war vorbei. Aber nicht seine Verwüstungen. Da waren die verwaisten Kinder, verlorenes Strandgut am Ende der Grausamkeiten des Krieges. Die Liebe von Mutter und Vater: lange vorbei, für manche längst vergessen.

Gisela kam in eine Pflegefamilie. Einen Tag vor ihrem Geburtstag. Am Morgen nach dem Aufwachen, da sah sie die schöne Puppe auf dem geschmückten Tisch. Und die Schokolade. Und den Kuchen. Gisela sah ihre neue Mutter fragend an, zweifelnd, ungläubig: „Für mich?“ „Ja, für dich!“ - Gisela hat diesen Augenblick ihr Leben lang nicht vergessen. Sie war überwältigt.

Matthäus erzählt in seinem Evangelium ganz am Schluss von dem Gefühl der Unbegreiflichkeit, mit dem die Jünger unmittelbar reagierten, als Jesus in seiner Auferstehungsherrlichkeit ganz neu, ein für allemal und endgültig zu ihnen kam. Da schreibt Matthäus nämlich: Einige zweifelten. Damit ist nicht die kühle Skepsis einer aufgeklärten inneren Abschottung gemeint, die grundsätzlich an „nichts mehr glaubt“. Sondern das ist der gleiche Zweifel, mit dem ein verwaistes Kind ungläubig fragt: „Für mich?“

Als Jesus am Kreuz gestorben war, ja, da kam die Nacht des Zweifels über sie.

Sie waren geflohen. Warum dieser Tod? „Alles vergebliche Liebesmüh´“. Und dann, nach der Flucht: SEINE überwältigende Zuwendung in die Depression ihrer Trauer hinein. „Das kann doch nicht wahr sein.“

Warum sie danach mit Leidenschaft all´ das verkündigten, bezeugten und praktizierten, was ER ihnen aufgetragen hatte, warum sie keinen Menschen, kein Gefängnis, keinen Spott, kein böses Schicksal und den Tod nicht mehr fürchteten, das hing alles an dieser großen Zusage: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Aber eines darf nicht verschwiegen werden: „Die Macht dieser wunderbaren großen Zusage ist nichtssagend für alle, denen ER im Alltag ihres Lebens nichts gilt, nichts gelten darf, nichts gelten soll. Denn Jesus sucht bei uns nichts weniger als unser Herz, Ihr Herz, mein Herz. Es gibt keine Zusage, keine Gnade, keine Liebe zum Schleuderpreis. Seine Zusage aber die gilt weit über Bitten und Verstehen hinaus. Wie die Jünger sind Sie und ich eingeladen, an hellen Tagen wie in den dunklen Erfahrungen des Lebens IHM dankbar zu vertrauen, dass ER da ist wie wissende, liebende Eltern an der Seite eines verwaisten Kindes.

 

    Ihr/Euer Pfarrer i.R. Gerd Schilling

Andacht aus der März-Baustelle:

"Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein."
Monatsspruch für März aus 1. Samuel 7,3

 

In der Pause streiten sich nach dem Religionsunterricht zwei Schüler. Der eine ist Christ, der andere nicht. Sagt der Nichtchrist: Ich gebe dir 10 Euro, wenn du mir sagst, wo GOTT ist. Sagt der Christ: Und ich geb‘ dir 20 Euro, wenn du mir sagst, wo er nicht ist!

Auf die uralte Frage nach GOTT gibt es eben diese Antworten, die sich gegenüber stehen. Die einen sagen: "GOTT ist nirgends. Wir haben ihn nicht gesehen. Wo war GOTT in der Dürrekatastrophe und Hungersnot in Somalia? Wo war GOTT als unser Kind starb? GOTT ist nicht da."

Die anderen sagen: "GOTT ist überall. Wir sehen ihn in allen Dingen, wir erleben ihn in der Schöpfung, wir hören ihn in der Bibel, wir begegnen ihm in der Gemeinde. Und grade in der Not ist er da. Wir haben GOTT erlebt, und zwar mitten in dem schrecklichen Krieg, mitten in der Hungersnot, er war uns sogar nirgends so nah wie da!"

GOTT ist nirgends. Und GOTT ist überall. Unvereinbar und unbe-weisbar stehen sich beide Positionen gegenüber. Vielleicht gibt es noch eine bessere Antwort auf diese alte Frage nach GOTT: GOTT wohnt dort, wo man ihn einlässt.

GOTT ist der Herr über die ganze Welt. Aber erkennen und erfahren kann man ihn nur, wenn man ihm sein Leben öffnet, sich mit dem Herzen ihm zuwendet und ihm allein dient - wie der Monatsspruch für März es sagt.

GOTT ist der Herr über die ganze Welt. Aber erkennen und erfahren kann man ihn nur, wenn man ihm sein Leben öffnet. Wo immer wir unser Herz ihm zuwenden, unser Leben in seine Hand geben, wird er mit seiner ganzen Lebensmacht und Liebe hineinkommen. Wenn GOTT überhaupt irgendwo nicht ist, dann in den Herzen derjenigen, die ihn übersehen, ihn ignorieren, ihr Leben vor ihm verschließen und ihn nicht wollen.

JESUS sagt: Wer meine Stimme hört und die Tür (seines Herzens) öffnet, zu dem werde ich hineingehen.

Das wünsche ich Ihnen und uns allen,

Ihr Pastor Frank Schröder

 

Andacht aus der Februar-Baustelle:

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen
gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
(Römer 8, 18)

 

Liebe Gemeinde,

auf den ersten Blick könnte dieser Vers als „Vertröstung“ auf die Ewigkeit verstanden werden: In diesem Leben müsst ihr zwar so manchen Kummer und bisweilen auch großes Leid ertragen - aber nehmt es nicht so schwer, das Beste kommt ja erst noch.

Und: Ist doch egal, ob es in dieser Welt gerecht zugeht oder nicht. Im Himmel werden die Benachteiligten zu ihrem Recht kommen.

Wenn man den Vers 18 aber im Zusammenhang des ganzen Kapitels 8 betrachtet, erscheint er in einem anderen Licht. Es geht Paulus hier um die tröstende Zusage: Nichts kann uns, kann alle, die auf Jesus vertrauen und mit ihm leben, trennen von der Liebe Gottes (V. 38-39). Aus diesem Blickwinkel heraus möchte Paulus dem derzeitigen Leiden der Menschen eine andere Bedeutung geben. Die ganze Schöpfung leidet unter ihrer Vergänglichkeit. Aber sie fügt sich nicht in ihr Leiden. Sie erwartet stattdessen sehnsüchtig die Befreiung von Leid und Tod. Gott hat denen, die auf Christus vertrauen, schon hier und jetzt seinen Geist gegeben - damit sie schon jetzt erkennen können: die zukünftige Vollendung der Welt ist schon angebrochen - so wie sich bei einer Geburt das neue Leben mit dem Einsetzen der Wehen ankündigt (V.19-23).

Alle, die an Gott glauben und Jesus vertrauen, sollen stellvertretend für die ganze Schöpfung die Hoffnung nicht aufgeben: Am Ende wird sich Gottes Liebe durchsetzen und alle Kreatur von Leiden und Tod befreit werden. - Bis dahin ist leider oft Geduld notwendig, auch wenn es nicht immer leicht fällt - ganz im Gegenteil. Diese Geduld aufzubringen und an der Hoffnung festzuhalten, dass am Ende alles gut wird, schaffen wir nicht allein. Wir brauchen Gottes Hilfe und Nähe an jedem Tag und die Unterstützung unserer Glaubensgeschwister, um durchzuhalten. Aber wir haben die Zusage, dass Leiden und Tod nicht das letzte Wort haben werden!

 

 Euer/Ihr Pfr. Jörg Zogass