Andacht aus der Januar-Baustelle:

Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm34,15)

 

 Christian und Nico sprechen wieder miteinander. Jan und Tanja nehmen sich wieder in den Arm. Nach 50 Jahren Krieg und Trennung: Zwei Staatsmänner treffen sich zu einem Neuanfang.
SUCHE DEN FRIEDEN UND JAGE IHM NACH!

 Jan und Tanja. Sie gehen zum Musikfestival. Sie bleibt dauernd stehen und unterhält sich gerne mit jedem, den sie kennt. Er möchte mit ihr schon längst sitzen, Musik hören, ohne immer zu reden, einfach sie beide ganz beieinander, ganz miteinander. Die vielen Begegnungen: Sie freut sich daran. Sie erwartet, dass  das bei ihm auch so ist. Ist es aber nicht.  Da ist auch noch manches andere.   Er kommt wie von selbst, der Streit. Sie werden laut. Sie verletzen sich. Sie gehen auseinander. Ein Tag vergeht, vielleicht auch zwei. Sie wissen, wie unterschiedlich sie gestrickt sind. Aber einer wird den ersten Schritt machen. Auch das wissen sie voneinander seit den zwei Jahren, in denen sie sich kennengelernt haben.   Sie kennen den stillen Dank für die Kraft, dass sie diesen Schritt immer wieder, immer neu tun können.

 SUCHE DEN FRIEDEN UND JAGE IHM NACH!

 Über ein halbes Jahrhundert war er schon her: der Krieg mit seinen schrecklichen Wunden. Am Ende: Zwei verschiedene Verbündete, zwei unterschiedliche Ideologien. Aber: ein Land, eine Sprache, doch Zusammen-gehöriges jetzt getrennt durch Mauer und Stacheldraht.   Das Wort „Freiheit“ wird zum Schlüsselwort für all´ die Sehnsüchte. Die Herrschenden beraten sich: Wie damit umgehen? Wie üblich? Mit Gewalt? Mit Gewehren? Sie sagen: Wenn wir einen weltweit anzuerkennenden Grund hätten, also z.B.: dass die Demonstranten gewalttätig werden, ja dann...

 Aber sie werden nicht gewalttätig, die Freiheitsuchenden, sie folgen einer bis dahin öffentlich noch nie so erlebten Macht des Friedens, bis das System zusammengebrochen ist.   „Wir waren auf alles gefasst“, wird später ein Funktionär der ehemaligen DDR sagen, „aber nicht auf Kerzen und Gebete.“

 Der erste Schritt. Der lange Atem der Gewaltlosigkeit. Die Suche, die Jagd nach dem Frieden. Ja, sie kostet etwas. Aber sie hat eine große Verheißung. Jesus nennt sie das Geschenk der Gotteskindschaft. Das Geschenk heißt: Du bist geliebt, Du bist geborgen in Zeit und Ewigkeit.

 Immer scheint der Tod zu herrschen und zu siegen. Suche den Frieden und jage ihm nach!   Das Leben wird aufblühen. Auch gegen den Augenschein.

 Dass uns die Wegweisung dieses Psalmverses auf den Wegen des neuen Jahres verbinde, wünscht Ihnen und mir von Herzen

 

   Ihr/Euer Pfarrer i.R. Gerd Schilling

Andacht aus der Dezember-Baustelle

Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.  (Mt 2,10)

 

Mercedeswerbung? Wäre vorstellbar: müde Wanderer auf einer Landstraße, schon völlig verschwitzt und fertig, aber noch weit von ihrer Herberge weg. Womöglich am Himmel schwere schwarze Gewitterwolken - da hält eines dieser hochwertigen Fahrzeuge für sie an. Der Fahrer nimmt sie mit. Sie werden in bequemen Ledersitzen mit viel Beinfreiheit aufgenommen, vornehm sind die Armaturen mit edlem Wurzelholz verblendet. Der Wagen ist leise und liegt ganz ruhig. Er folgt dem Stern der vorne auf der Kühlerhaube wie ein Fadenkreuz unbeirrbar die Straße für das Auto in Besitz zu nehmen scheint.

Nein, dieser Stern ist nicht gemeint. Obwohl es Ähnlichkeiten gibt. Der Vers kommt aus der Weihnachtsgeschichte, die Weisen aus dem Morgenland waren durchaus müde Wanderer, von weit her gekommen um ein neugeborenes Kind zu suchen, das weltweite Bedeutung haben soll. Seine Geburt war nach der uralten Prophetie durch einen besonderen Stern begleitet.

Dieser Stern hat sie von zu Hause weggeführt und zeigt sich nun wieder. Also war er eine Zeit unsichtbar. Eine Zeit waren die Reisenden deshalb unsicher. Suchten Information, Bestätigung ausgerechnet bei Herodes. Logisch - wo sollte man von einem neugeborenen König erfahren können wenn nicht im Königshaus. Aber taktisch unklug, denn dass der alte König einem Neuen kritisch gegenübersteht, könnte man sich denken. Und dann nutzlos, weil Herodes keine Ahnung hatte. Der Stern steht nun über einer konkreten Adresse, 'da wurden sie hocherfreut', so steht es hier.

Der Stern ist ein biblisches Bild für JESUS Christus. Dass er geboren wurde, ist das -Hoffnungsdatum der Weltgeschichte schlechthin. Dass schlussendlich nicht die Dunkelheit und der anstrengende Weg vor uns liegt, sondern dass sein Licht in diese Zeit schon hinüber leuchtet und dass ER wiederkommen wird, ist die gute Nachricht schlechthin.

Dass er in uns neu geboren wird - also in uns Glauben findet, in unserem Leben zur Sprache kommt, Raum und Gestaltungsrecht erhält, das ist unser persönliches Rettungsdatum schlechthin.

Es kommt also nicht so darauf an, dass die Sitze bequem sind. Es kommt darauf, an dass die Richtung stimmt. Wir können viel aushalten, wenn das Ziel klar ist, wenn wir wissen wofür. Dann darf es ruhig auch mal anstrengend werden, dann machen uns Unannehmlichkeiten oder Verzicht nicht viel aus. Das ist die Situation der Weisen hier.

Was ist unsere Situation? Was ist deine Lebensposition? Ist dein Streckenabschnitt anstrengend? Wird es vielleicht schon Abend? Das Ziel ist unklar geworden, die Orientierung klappt nicht mehr?

Da geht der Stern auf!

Wir dürfen diesen Dezember verstehen als die Zeit, in der Morgenstern JESUS Christus über unserem Leben aufgehen möchte. In einem Adventslied schreibt der Dichter Jochen Klepper:

Die Nacht ist vorgedrungen,/ der Tag ist nicht mehr fern./ So sei nun Lob gesungen/ dem hellen Morgenstern./ Auch wer zur Nacht geweinet,/ der stimme froh mit ein./ Der Morgenstern bescheinet/ auch deine Angst und Pein./

Die Nacht ist schon im Schwinden,/ macht euch zum Stalle auf./ Ihr sollt das Heil dort finden,/ das aller Zeiten Lauf/ von Anfang an verkündet,/ seit eure Schuld geschah./ Nun hat sich euch verbündet,/ den GOTT selbst ausersah.

 

Ihr Pastor Frank Schröder

Andacht aus der November-Baustelle:

 

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem,
von Gott aus dem Himmel herabkommen,
bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.
(Offenbarung 21,2).

 

 Die Welt, wie wir sie kennen, wird einmal untergehen. Angesichts der vielen politischen Spannungen und Bedrohungen des Friedens in der Welt ist ein Weltuntergang, den wir Menschen selbst herbeiführen, wieder wahrscheinlicher geworden.

 

 Das macht vielen Menschen Angst. Der Untergang unserer Welt, wie der Seher Johannes ihn ankündigt, ist allerdings kein Horrorszenario. Diese Welt wird einmal vergehen - aber, um Platz zu machen für etwas ganz Neues und Wunderschönes. Der neue Himmel und die neue Erde aus biblischer Sicht übersteigen unsere menschlichen Vorstellungen. Darum sprechen die Weissagungen der Bibel nur in Bildern von diesen Ereignissen. Johannes sieht eine Stadt, ein neues Jerusalem, aus dem Himmel herabkommen. Es ist nicht die Stadt, die heute im Mittelpunkt weltpolitischer Konflikte steht, sondern ihr himmlisches Gegenstück.

 

 Es folgt noch ein zweites Bild: Die himmlische Stadt gleicht einer geschmückten Braut. Der Seher drückt hier etwas aus, das im Alten und Neuen Testament vom Volk Gottes gesagt wird:

 

 Das Volk Gottes ist die Braut, mit der Gott, mit der Jesus Christus, sich vermählen will. Das neue Jerusalem ist ein Bild für alle Erlösten, die in ewiger Gemeinschaft mit Gott leben und die neue Erde bewohnen sollen - eine neue Welt, in der es alles, was hier unser Leben bedrängt und bedroht, nicht mehr geben wird.

 

 Zur himmlischen Gemeinde gehören nach biblischem Zeugnis alle, die am Weg des Glaubens und Vertrauens auf Jesus bis zum Ende festgehalten haben. Aber schon jetzt tragen alle, die in diesem Leben Jesus folgen, „ein Stück vom Himmel“ in sich - so wie es Paulus ausgedrückt hat: „Unser Bürgerrecht ist im Himmel“! (Philipper 3,20)

 

 Euer/ Ihr Pfr. Jörg Zogass