Andacht aus der August-Baustelle:

„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.“ (Matthäus 10, 7)

 

Liebe Gemeinde!

Mit dieser Botschaft hatte Jesus seine 12 Jünger in die umliegenden Städte und Dörfer geschickt. Auch die Verkündigung von Johannes dem Täufer und von Jesus selbst begann mit diesen Worten: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“

Was bedeutet das?

Wenn Matthäus in seinem Evangelium vom „Himmelreich“ schreibt, dann meint er dasselbe, was in den anderen Evangelien Reich Gottes heißt. Es geht dann um die Herrschaft Gottes über die ganze Welt - ein Reich des Friedens, der Gerechtigkeit und der Liebe.

Damit dieses Reich kommen kann, muss Gott vorher Gericht halten über allen Hass, alle todbringende Gewalt und alle Ungerechtigkeit, die ihren Ursprung im menschlichen Herzen hat. Mit dem Himmelreich ist also auch das Gericht Gottes nahe. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, sich darauf vorzubereiten. Handelt jetzt, rufen Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger! Kehrt um von euren bösen Wegen! Wenn ihr das tut, werdet ihr teilhaben an Gütern des kommenden Reiches. Schiebt die Umkehr nicht auf, damit es nicht plötzlich zu spät ist! Weder Johannes der Täufer noch Jesus und seine Jünger haben ein Datum genannt, an dem die Weltenwende eintreten wird. Aber Sie waren sicher: Sie ist so nahe, dass eine unverzügliche Entscheidung nötig ist.

Seitdem sind rund 2000 Jahre vergangen und das angekündigte Himmelreich auf Erden ist noch nicht gekommen. Können wir trotzdem auch heute noch sagen: „Das Himmelreich ist nahe“?

Wir können! Denn in der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu ist das angekündigte Reich Gottes angebrochen! Es ist im Glauben bereits spürbar - ebenso, wie das „ewige Leben für alle, die Jesus vertrauen, schon hier und jetzt begonnen hat. Was noch aussteht ist die Vollendung. Deshalb gilt aber auch hier und heute: Das Himmelreich ist nahe!

Euer/ Ihr Pfarrer Jörg Zogass

Andacht aus der Juli-Baustelle:

„Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn."
(Jakobus 1,19)

 

Mit den Ratschlägen ist das ja so eine Sache. Wir lassen uns nicht gerne ungefragt von Ratschlägen bevormunden, besonders dann, wenn sie uns gegen den Strich gehen, weil wir uns überfordert oder einfach nicht verstanden fühlen.

Der Monatsspruch könnte uns in diesem Sinne als ein Ratschlag erscheinen, der uns als bevormundende Allerweltsweisheit ein wenig auf die Nerven geht. Kann man denn so einfach und ohne weiteres z.B. mit dem in uns aufsteigenden Zorn fertig werden? „Langsam zum Zorn.“ Heißt das: Deckel drüber und fertig? Davon sind Wut und Zorn ja nicht einfach weg. Und überhaupt: Ist es denn grundsätzlich nicht so, dass es nun mal Menschen gibt, die von Natur aus besonders gut zuhören können? Die sind also „schnell zum Hören“, das heißt die schalten schnell um auf hingegebenes Zuhören. Und dann gibt es eben andere. Sie sind von Natur aus z.B. höchst cholerisch. Die kriegen, wenn ihnen einer querkommt, gleich einen Wutanfall.

Aber auch wenn das so scheint: Der Jakobusbrief sieht das nicht so oberflächlich. Er ist an Menschen geschrieben, die einmal das Evangelium erfahren haben als Gottes große Liebeserkärung in Jesus. Als befreiende Macht aus Lüge und Betrug, aus Eigensinn und Verhärtungen, aus der Macht empfangener und zurückgegebener Bosheiten. Sie haben Gottes große Liebeserklärung als geheilte Beziehung zum himmlischen Vater erfahren mit nachfolgender Kraft zu erneuerten Beziehungen zu ihren Mitmenschen. So steckt hinter dem Monatsspruch eine ganz elementare schlichte Frage: Mit welchen Augen siehst Du Deinen Mitmenschen? Wenn er Dir Mühe macht? Wenn er Dich nervt? Wenn er Dir querkommt? Es mag ja sein, dass Du einmal explodierst. Das ist menschlich. Aber bedenke, was das Entscheidende ist: Hat dieser Mitmensch, trotz allem, einen Platz in Deinem Herzen, so dass Du – von vornherein – einen anderen Weg suchst zu einem verständigen, offenen, bereinigten Miteinander?

Dein Mitmensch, in der Bibel Dein „Nächster“ genannt, ist diese Mühe wert, so wahr Du dem die Mühe wert warst und bist, der am Kreuz sein Leben für Dich hingegeben hat.

 

Von Herzen grüßt Sie

Ihr/Euer Pfarrer i.R. Gerd Schilling

Andacht aus der Juni-Baustelle:

 

Freundliche Reden sind Honigseim,

süß für die Seele und heilsam für die Glieder.
(Sprüche 16, 24)

 

 "Jemandem Honig ums Maul schmieren" - diese Redewendung werden sie kennen, liebe Leser. Sie beschreibt eine Umgangsweise, die schon mal der Wahrheit nicht ganz so gradlinig verpflichtet ist und im zentralen Beweggrund gar nicht das Lob, sondern eher die eigenen Motive verfolgt. Dann nämlich wenn man hofft, bei demjenigen den man da so überschwänglich lobt, Pluspunkte für sich selbst zu sammeln. Das ist aber hier im Bibeltext nicht gemeint. Das Buch der Sprüche enthält Sätze von sehr feiner Lebensklugheit. Nicht immer ist sofort erkennbar, was sie mit dem Glauben zu tun haben. Erst der Zusammenhang bringt den Leser dann auf Aussagen, die uns verstehen lassen, wie unsere Gottesbeziehung mit unsern menschlichen Beziehungen zusammen hängt. Wie ein Schlüssel zum gesamten Sprüchebuch steht es im 1. Kapitel: "Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis".

 

 Für unseren Monatsspruch im Juni weitergedacht heißt das: Der Respekt vor GOTT, meine eigene Position vor GOTT und mein irdisches Leben als Dienst für GOTT bringen mich dazu, mit dem Nächsten so zu sprechen, das es ihn erfreut und aufbaut.

 

 Dass das nicht auf Kosten der Wahrheit gehen muss, zeigt JESUS, zum Beispiel in der Geschichte mit der Frau am Jakobsbrunnen Johannes 4: Er nimmt mit der Ausgestoßenen Kontakt auf, hört ihr zu und hilft ihr auf. Er begegnet ihr freundlich und liebevoll, gibt ihr eine neue Hoffnung - aber verschweigt auch nicht, was in ihrem Leben nicht in Ordnung ist.

 

 Ich wünsche mir, von dieser JESUS Art zu lernen. Wir haben genug Menschen, die ständig kritisieren, die die Schuldigen schnell finden und anprangern, die Diffamierendes und Halbwahres verbreiten, verbal entgleisen und die soziale Kultur der ganzen Gesellschaft schädigen. Jesusleute sollen einen anderen Stil pflegen. Sie können es, weil sie einen Herrn haben, der diesen Stil an ihnen pflegt. Der den Kontakt sucht, zuhört und aufhilft. Der uns mit der Wahrheit dient und doch freundlich und liebevoll mit uns spricht, uns dadurch aufbaut und immer neue Hoffnung schenkt.

 

 Diesem guten Herrn befohlen, mit freundlichen Grüßen,

 

          Ihr Pfarrer Frank Schröder

Andacht aus der Mai-Baustelle:

Es ist keiner wie du, und es ist kein Gott außer dir.
(2. Samuel 7, 22)

 

Liebe Gemeinde,

Es gibt Zeiten im Leben von uns Menschen, da läuft es gut. Wir können die Ziele, die wir uns gesteckt haben, erreichen, und was wir anfassen, gelingt. Manchmal wünschten wir uns, es würde immer so weiter gehen – aber wir ahnen, dass das Leben auch andere Erfahrungen für uns Menschen bereithält: Zeiten, in denen es gar nicht so gut läuft. –

Unser Monatsspruch hat als Hintergrund eine Phase im Leben von König David, in der es wirklich gut läuft. David hat es sehr weit gebracht: Er ist inzwischen König über ganz Israel geworden und hat Jerusalem erobert. Und dann passiert noch etwas Großartigeres: Über den Propheten Nathan erhält David eine Verheißung: David ist der von Gott Auserwählte, dessen Geschlecht und Thronfolge für immer Bestand haben soll. David ist überwältigt und sagt sinngemäß: „Wer bin ich eigentlich, dass Gott mich nicht nur zum König des Volkes gemacht hat, sondern mir darüber hinaus für die Zukunft solche Zusagen macht.“ David ist vom Handeln Gottes so beeindruckt, dass er Gott mit den Worten preist: „Es ist keiner wie du, und es ist kein Gott außer dir!“ David hat Gott vertraut und sein Vertrauen wurde belohnt. –

Wie sieht es aus, wenn wir auf unser eigenes Leben sehen? Kommen uns dann auch Situationen in den Sinn, von denen wir sagen können: „Mein Vertrauen auf Gott ist „belohnt“ worden?“ Ich hoffe, dass es solche Erfahrungen gegeben hat und noch immer gibt. Aber was ist, wenn es auch mal ganz anders kommt – wenn wir Gott vertraut und fest mit seiner Hilfe gerechnet haben und wir trotzdem enttäuscht wurden? Auch dann „lohnt“ es sich aber, an Gott festzuhalten. Es ist wichtig, sich gerade dann an das Gute zu erinnern, das wir von Gott empfangen haben, aber auch gleichzeitig das, was uns aktuell bedrückt, vertrauensvoll vor Gott zu bringen.

Gott hat ein offenes Ohr für unser Lob und unsere Klage!

 

 Euer/Ihr Pfr. Jörg Zogass