Wochenandacht vom 27.05.2020 von Pfr. Hans-Paul Ullrich

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

letzte Woche noch haben wir Christi Himmelfahrt gefeiert, uns an die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in sein Reich erinnert.

In Wanne-Eickel haben wir dieses Fest noch nicht mit gemeinsamen Gottesdiensten in den Kirchen feiern können. Einige von uns haben vielleicht ein Online-Angebot wahrgenommen, oder die letzte Mittwochsandacht von Pfarrer Ferdinand Kenning gelesen, wieder andere haben einen Fernsehgottesdienst angesehen, und viele werden sich einfach über einen freien Tag und vielleicht ein langes Wochenende gefreut haben – christliche Feiertage in Zeiten von Corona, so ganz anders als sonst.

Jetzt gehen wir gemeinsam auf Pfingsten zu. An diesem Sonntag werden wir nach langer Zeit wieder in allen unseren Bezirken Gottesdienste in unseren Kirchen feiern. Darauf freue ich mich sehr. Mehr und mehr leide ich unter dem Verlust der Gemeinschaft, die ich sonst im Gottesdienst in der persönlichen Begegnung mit Schwestern und Brüdern erfahre. Und mich treibt die Frage um »Wie wird es weitergehen?«.

Den Verlust von Gemeinschaft erlebten wohl auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu nach seiner Himmelfahrt. Jesus war nicht mehr unter Ihnen. »Wie wird es weitergehen?« werden auch sie sich vielleicht gefragt haben.

Die Apostelgeschichte beschreibt in ihrem ersten Kapitel in den Versen 12 bis 14 das, was die Jüngerinnen und Jünger damals taten.

»12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der Ölberg heißt und nahe bei Jerusalem liegt, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Diese alle hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.«

Alle hielten einmütig fest am Gebet.

Das ist ihr Weg, an der Gemeinschaft miteinander festzuhalten, sie zu festigen.  Das ist ihr Weg, in der Zeit bis zur Beantwortung der offenen Frage »Wie wird es weitergehen?« zu leben und als Christen und als Gemeinschaft zu überleben.

Alle hielten einmütig fest am Gebet.

Das ist es, was auch wir tun können. Am Gebet festhalten. Das, was Jesu Jüngerinnen und Jünger dann erfuhren, das kann uns ermutigen am Gebet festzuhalten. Pfingsten, Gott gießt seinen Geist über die Gemeinde aus. Und das verändert alles.

Die Jüngerinnen und Jünger erfahren, dass Menschen verstehen, wovon die Jünger sprechen, Menschen sich öffnen für Gottes Wort, Menschen den Weg zum Glauben finden. Die Gemeinschaft wächst.

Schon kommenden Sonntag feiern wir wieder Pfingsten in gemeinsamen Gottesdiensten in unseren Kirchen. Bis dahin lassen Sie uns alle festhalten am Gebet.

»Wie wird es weitergehen?« Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott seinen Geist auch heute ausgießen wird.

Wir halten fest am Gebet und vertrauen darauf, dass Gottes Geist alles verändert. Menschen verstehen, wenn wir Zeugnis vom Glauben ablegen, Menschen öffnen sich für Gottes Wort, Menschen finden den Weg zum Glauben.

Die Gemeinschaft wächst. Und all dies auch heute noch, bei all dem, was unsere Gemeinschaft in dieser Zeit belastet.

Diese Zuversicht wünsche ich uns. Und bis dahin halten wir fest am Gebet.

AMEN

Wochenandacht vom 20.05.2020 von Pfr. Ferdinand Kenning

Apg 1
3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.
4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?
7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;
8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.

Liebe Gemeinde,

am Donnerstag, 21. Mai 2020 ist Christi Himmelfahrt. Zu Himmelfahrt wird normalerweise in Holsterhausen in einem großen Festgottesdienst konfirmiert und eine Gruppe von aufgeregten und vorfreudigen Konfis tummelt sich vor und in der Kirche. Damit hat man den Himmelfahrtsgottesdienst sehr aufgewertet und eine besondere Stellung im Leben der Gemeinde gegeben. Schließlich ist dieser kirchliche Feiertag einer der es schwer haben könnte, weil er ja unter der Woche liegt, noch dazu mit dem großen Pfingstfest konkurrieren muss, und dann soll es ja angeblich auch noch jene geben, die ihn als Vatertag feiern, statt als Himmelfahrt unseres Herrn. Aber was wir an Christi Himmelfahrt feiern, ist so bedeutsam, dass es im apostolischen und nizänischen Glaubensbekenntnis festgehalten wurde. Es ist ein schöner Feiertag und das Schöne an diesem Tag ist, dass es einfach nur um Jesus geht. Im wahrsten Sinne des Wortes wird Jesus erhoben. Damitspielt die Erzählung in Apg 1, 3-9 mit einem Wort, dass wir auch als Gotteslob kennen. Im Gottesdienst sagen, oder singen wir immer wieder, dass wir Gottes oder Jesu Namen erheben. So steht es dann auch in Ps 18:
Der HERR lebt! Gelobt sei mein Fels! Der Gott meines Heils sei hoch erhoben (Ps 18,47).
(Wer mag, kann dazu auch den sogenannten Philipperhymnus nachlesen Phil 2,5-11.)

Die Geschichte in Apg 1, 3-9 führt uns vor unser inneres Auge, dass Jesus des Lobes würdig ist, mit dem wir Gott loben, denn Er ist der Sohn Gottes und fährt auf um zur Rechten des Vaters im Himmel zu sitzen. So schildert die Geschichte von Jesu Himmelfahrt, dass Jesus Gott ist, so wie die Weihnachtsgeschichte erzählt, dass Gott Mensch geworden ist. Auf dem Konzil von Chalcedon 451 hat man das dann kurz und knapp festgehalten: Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott.
Christi Himmelfahrt steht damit in einer Reihe weiterer Festtage, die wir unserem Herrn und Bruder Christus feiern. Jeder der christlichen Feiertage sagt uns wer Jesus ist. Denn wissen wer Jesus ist, das kann man nur, wenn man weiß, woher er gekommen ist, wohin er gegangen ist, und woher er eines Tages wiederkommen wird.
Oft habe ich mich gefragt, wie es wohl gewesen wäre, wenn man vor 2000 Jahren Jesus getroffen hätte. Bei der einen oder anderen Geschichte dabei gewesen zu sein, Ihn sprechen hören, oder sogar mal bei dem einen oder anderen Essen anwesend gewesen zu sein.
Doch jemanden treffen ist eben noch lange nicht jemanden kennen.
Deswegen sollen wir Christen, nicht sein wie die Pharisäer, die Jesus nur getroffen, aber nie wirklich kennengelernt haben. Jesus sagt in Joh 8,14:

Denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe;
ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe.

Das Kirchenjahr hilft uns dabei Jesus kennenzulernen, indem es einen Zugang zur Bibel eröffnet. Jeder Feiertag hat bestimmte Texte der heiligen Schrift und das was da geschehen ist als Grundlage. Sie helfen uns dabei die Texte der Bibel zu sortieren, denn die Bibel ist eben auch einfach mal ein dickes Buch mit vielen Seiten und es kann verwirrend sein, sich einen Leseweg durch sie zu bahnen. Gott sei Dank gibt es Feiertage wie Christi Himmelfahrt, die von der Geschichte Gottes mit seinem Volk erzählen, und uns darauf hinlenken Gott so kennenzulernen, wie er sich in Jesus Christus gezeigt hat: Als unser selbstlos liebender Gott, der unser Vertrauen verdient hat.
Im geistlichen Leben ist es unsere Aufgabe durch das Gebet, und gerade im Lobpreis, aber auch im Lesen der Bibel sich immer wieder klar zu werden wer Jesus ist. Denn eines Tages wird jede und jeder von uns Jesus treffen. Wie gut wird es sein, wenn man ihn vorher schon kennengelernt hat.

Herzliche Grüße
Euer Pfarrer Ferdinand Kenning 

Wochen-Andacht zum 13.05.2020 von Vikar Lukas Horst

Prüft aber alles und das Gute behaltet

1. Thess 5,21

 

Diesen Satz schreibt Paulus an die Gemeinde in Thessaloniki. Und die Welt erlebt gerade einen riesigen Prüfungsprozess: Wir leben in einer Pandemie und selbst die medizinischen Experten kennen dieses Szenario nur aus der Theorie, keiner hat so etwas schon mal mitgemacht. Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche wird geprüft, was der nächste richtige Schritt sein könnte. Am Ende wird man in der Rückschau vermutlich sagen: „Hier hätten wir wohl etwas weniger streng sein müssen, aber dort waren wir wohl zu schnell zu unvorsichtig“. Es wird geprüft und es wird behalten werden, was für eine (hoffentlich weit in der Zukunft liegende) ähnliche Situation gut bzw. hilfreich ist.

Aber nicht nur die Experten, sondern auch wir selbst sollen Prüfen. Für Paulus ist ein großes Prüfkriterium die gegenseitige Fürsorge der Gemeinde untereinander und auch im Umfeld des heutigen Verses spricht er davon, füreinander und für jedermann dem Guten nachzujagen. Die Gemeinde Gottes lebt aus dem Füreinander, das aufeinander achtet. Aus der Gewissheit, dass Gott seine Gemeinde trägt, tragen ihre Glieder einander. Das ist umso wichtiger, als in den letzten Tagen in den sozialen Netzwerken Menschen auftreten, die Verschwörungstheorien verbreiten und diese unsichere Zeit dafür nutzen, ihren Extremismus und Populismus unter die Leute zu bringen. Sie legen sich die Dinge zurecht, wie sie ihnen passen, lassen Fakten unbeachtet und nehmen für sich in Anspruch, irgendwelchen geheimen Vorgänge in der Welt zu durchschauen, die sonst niemand sieht. Und: Sie feinden einzelne Menschen und Menschengruppen an. Sie leben nicht aus einem Für-, sondern aus einem Gegeneinander. Diese Menschen pervertieren Prüfen und kritisches Denken. Sie lassen nur Argumente zu, die ihnen in den Kram passen. Das ist aber genau das Gegenteil von Prüfen und das Gute behalten. Wer etwas prüft, geht unvoreingenommen an eine Sache heran und lässt sich in seiner Sicht korrigieren. Das ist mitunter schwierig, weil verschiedene Perspektiven verschiedene Schwerpunkte setzen und man abwägen und gewichten muss. Echtes Prüfen macht den Blick frei – z.B. frei für den Menschen, der sich gerade in dieser Krise mehr aufreibt/aufreiben muss als andere und selbst etwas Fürsorge gebrauchen könnte. In diesem Sinne: Keine Prüfungsangst!

 

Ihr/Euer Lukas Horst

Wochen-Andacht zum 06.05.2020 von Pfarrer Michael Thoma

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

2. Kor 5,17

 

Das wäre jetzt wirklich mal Zeit, dass das Alte vergeht und Neues wird. Die ganze Pandemie hinter sich lassen und neu starten. Das Neue wäre wie das ganz Alte, also die Zeit vor Corona, während das damals Neue, also Corona, jetzt besser schnell das Alte sein soll. Verwirrend, aber kurz gesagt ist es doch so: Am besten wäre alles so wie früher! Also vor Corona. Früher war eben alles besser. Aber stimmt das? Ich bin skeptisch, ob ich alles wieder so haben will wie früher. Also bitte nicht falsch verstehen: ich will auch, dass das Virus weg ist, dass die Zahl der Toten nicht weiter steigt und der Grad der Einsamkeit wieder abnimmt. Aber war früher wirklich alles besser?

 

Paulus sagt dazu: Nö! Natürlich geht es Paulus nicht um Corona, sondern um etwas viel Wesentlicheres, nämlich das Wesen, das Menschsein. Und das verändert sich für jeden, der „in Christus“ ist, also in ihm verwurzelt ist. Es entsteht etwas Neues in mir. Paulus benutzt dafür ein Bild (Kol 3): Eine Umkleidekabine. Wer zu Jesus gehört, wird neu eingekleidet - Marke „g:sus“ (Achtung Wortspiel, englische Lautschrift, - die Marke gibt es übrigens wirklich) - um als Ebenbild Gottes zu leben.

 

Es mag manche Shoppingfreude enttäuschen, aber ich suche mir die Klamotten nicht selbst aus und ziehe sie mir auch nicht selbst an. Es ist mehr wie in diesen Filmen, wo jemand völlig Usseliges von einem Freund mit in die Shoppingmall genommen wird und hinterher nach dem Geschmack des Freundes durchgestylt wieder rausgeht und damit ein völlig neues Leben führt. Ich verändere mich nicht selbst. Jesus verändert mich. Keine Anstrengung der Welt hilft mir, mehr so zu leben, wie Gott mich sieht. Es geschieht an mir. Und was er mir anzieht, wird in seinen Augen zwar stylisch sein, aber er wird jeden Menschen anders kleiden. Mit dem, was sie oder er braucht, um als Ebenbild Gottes zu leben.

 

Das Umziehen geht dann meist aber nicht so schnell wie im Film. Vor 20 Jahren habe ich Gott um eine Sache gebeten, die er an mir verändern möge. Ein halbes Jahr lang. Dann geriet es aus meinem Blickfeld. Drei Jahre später saß ich auf dem Fahrrad, als mir schlagartig bewusst wurde, wie Gott dieses Gebet erhört und Stück für Stück umgesetzt hat. Nach drei Jahren erkannte ich, dass er mir ein neues T-Shirt angezogen hatte. Es ist mir nicht immer bewusst, welche Klamotten ich trage und wie Gott in mir wirkt. Andere Menschen haben dafür übrigens manchmal einen klareren Blick.

 

Das Letzte: Die alte Jogginghose und der Schlabberpulli. Ich liebe sie und mag sie nicht wegwerfen. Sind sie mir doch so vertraut. „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.” Wenn wir diesen Satz von Karl Lagerfeld im Bild der Umkleidekabine lesen, hat er damit nicht ganz Unrecht. Die alten Klamotten spielen auch neu eingekleidet immer wieder eine Rolle. Momente, in denen ich in der Verbundenheit in Jesus weiß, dass es mir als Ebenbild Gottes nicht gerecht wird, es mir aber egal ist, weil ich das Alte doch so anziehend finde. Ich persönlich werde weiterhin guten Gewissens Jogginghose zu Hause auf der Couch tragen, aber die Frage stellt sich mir, was meine Jogginghose als Mensch ist.

 

Früher war alles besser. Nö. Die neuen Klamotten sind schon schön. Die möchte ich nicht mehr ablegen. Und die Zeit nach oder mit Corona? Ich würde mir wünschen, dass auch hier etwas Neues wird. Die derzeitige Pause-Taste bietet mir persönlich, aber auch uns als Gesellschaft, die Chance, welche Klamotten wir zukünftig tragen wollen, wenn es um Klima, Wirtschaft, Bildung, Armut, das Miteinander und mich und meine Ressourcen wie Zeit und Kraft geht. Da möchte ich nicht weiter die alten Klamotten tragen. Ich würde gerne mal was Neues probieren. Mal schauen, wie es mir so steht.

 

Ihr/Euer Michael Thoma