Andacht aus der Mai-Baustelle:

Monatsspruch:

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen,

was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem,

was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

 

 Die Botschaft des Monatsspruchs ist in unserer Zeit alles andere als selbstverständlich und allgemein akzeptiert: Der Glaube ist eine feste Zuversicht! Was für ein Gegensatz zu der weit verbreiteten Ansicht: „Glauben heißt nicht wissen“! Weiter lesen wir in Hebräer 11,1 über den Glauben: Er ist ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht! Ein weiterer Gegensatz zu einer Haltung, die uns oft begegnet: „Ich glaube nur, was ich sehe!“ - Hinter den beiden von mir benannten Gegensätzen steht die Grundhaltung: Was man nicht wiegen, greifen, sehen kann, ist unwichtig. Oder anders formuliert: Was nicht messbar ist, das gibt es nicht!

 Obwohl wir Gott nicht mit unseren Augen sehen können, können wir seine Nähe und Gegenwart erfahren und spüren. Und das, was Gott uns persönlich zu sagen hat, ist oft sehr konkret und erfahrbar - wenn wir das Wort Gottes hören und tief in uns aufnehmen.

 Auch und besonders durch das Reden und Handeln von Jesus in der Zeit seines Erdenlebens hat Gott zu uns geredet. Die Ereignisse von damals, was Jesus gesagt und getan hat, sind uns über zahllose Generationen glaubwürdig bis heute überliefert. Da haben Zeugen berichtet, was sie gehört und gesehen haben. Dies alles wurde sorgsam aufgeschrieben und weitergegeben. Die Botschaft vom Wirken Jesu, von seinem Sterben und seiner Auferstehung sind jeweils durch zahlreiche Augenzeugen belegt. Wenn dies alles nur eine „Erfindung“ der Jünger Jesu gewesen wäre, bliebe die offene Frage: Was hat die verzweifelten und ängstlichen Jünger nach dem Tod Jesu so stark gemacht und zum Bekenntnis trotz der Gefahr von Verfolgung und Tod bis heute motiviert? Der mit Abstand wahrscheinlichste Grund für das Zeugnis der Jünger ist, dass Jesus wirklich auferstanden ist und er selbst seine Freunde für ihre Aufgabe gestärkt hat - und dies bis heute tut!

 

Euer/Ihr Pfr. Jörg Zogass

Andacht aus der April-Baustelle:

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch!

Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Joh 20,21)

 

Die Jünger Jesu versammelt. Die Türen verrammelt. Im Dunkel des Abends versteckte Gesichter. Aus Angst vor Verfolgung erschreckte Gemüter – so fängt für sie Ostern an…

Komisch, oder? Wie passen die Nachfolger Jesu und Angst zusammen?
Passen würde: Hüpfende und jubelnde Nachfolger Jesu, die aus vollen Herzen und Hälsen herausbrüllen: „Jesus lebt! Er ist auferstanden!“ So hatten sie es doch von Maria von Magdala gehört. Aber sie glaubten der ersten Auferstehungszeugin nicht. Ein Toter, der lebt?!? Das ist schon unglaublich genug und dann soll man das auch noch als Mannsbild einer Frau glauben, die vor lauter Emotion irgendwen lebendig gesehen haben will. Da wartet man(n) doch lieber erst einmal hinter verschlossenen Türen ab.

Es stimmt: Vieles will irgendwie nicht passen und doch passt es… Weil es auf uns passt!
Auch wir hören und lesen vom Auferstandenen; wir glauben und doch verstecken wir unseren Glauben. Verschlossene Türen sind bei uns oftmals verschlossene Herzen, die noch nicht aufgebrochen wurden durch den Glauben, der so langsam vom Hören und Lesen vom Kopf ins Herz kriechen muss, damit es eben nicht bei verschlossenen Türen und sich versteckenden Jüngern Jesu bleibt! Aufgestoßene Türen und mutige Nachfolger Jesu – das passt doch. Aber wie kommt es dazu?

Es kommt dazu, durch den, der dazu kommt! Durch den, der einfach so durchkommt, durch verschlossene Türen. Durch den, der sich mitten rein stellt in die Angst und vor die erschrockenen Gesichter seiner Leute. Und dann sagt er nicht: „Schande über euch! Schämt euch was!“ Er sagt euch nicht: „Reißt euch doch endlich mal zusammen!“

Nein, er sagt: „Friede sei mit euch!“
Die Angst und die Enttäuschung seiner Leute hindern Jesus nicht daran, ihnen zu begegnen. Ihr Unglaube und ihr Unverständnis halten ihn weder ab noch auf! Im Gegenteil, sie scheinen ihn geradezu dazu einzuladen, die unfriedliche Situation mit seinem Frieden zu verändern. Und so scheint es am Ende, als würden Angst, Enttäuschung und Zweifel, eben doch sehr gut zu Jesus passen!

Denn genau deshalb brauche ich diesen Jesus, der so zu mir durchkommt und der sich durch meine Zweifel und meine Angst nicht abhalten lässt, mir seinen Frieden zu geben!

Das, was die Jünger Jesu am Ende froh macht, ist nicht die Macht ihres Herrn, sondern die Wundmale der Kreuzigung. Er zeigt ihnen nicht die zukünftigen Thronsessel im Himmel, sondern die Spuren von Nägeln und Lanze. Die Zeichen der Gnade und der Vergebung!

Wer darüber endlich froh werden kann, hat Frieden gefunden und damit auch die Freiheit, gesendet werden zu können. Nicht meine Leistungsfähigkeit ist die Voraussetzung für die Sendung, also den Auftrag Jesu, sondern dieser Friede, der mir geschenkt wird und den ich nicht verdienen oder erarbeiten kann.

„Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“

Wer wird denn da jetzt nach draußen zu den Menschen gesendet? Perfekte, starke Jesusleute? Nein, vielmehr sind es die Erschrockenen und die Ängstlichen. Die, die es immer wieder nötig haben, dass ihr Herr ihnen begegnet. Sich vor sie stellt. Sich sehen lässt. Die Zeichen seiner Gnade zeigt und seinen Frieden zuspricht. Und genau das wünsche ich uns allen für dieses Osterfest!

 

Ihr/Euer Prädikant Tobias Krause

Andacht aus der März-Baustelle

Monatsspruch:

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht! (Joh19,30)

 

Wer wird bei Ihnen sein, wenn Sie sich einmal ganz elend fühlen? Doch hoffentlich ein vertrauter Mensch. Wer wird bei Ihnen sein, wenn das Leben wie ein Kartenhaus über Ihnen zusammenbricht? Wenn Sie die Augen nicht mehr davor verschließen können, eine große Eselei begangen zu haben? Wenn die Welt Ihrer Gefühle von Wut, von Zorn, ja, von Hass überschwemmt wird und Sie wissen ganz genau, dass Sie damit alles noch schlimmer machen, auch mit der Selbstvergiftung durch solche negativen Urmächte.

Wer wird bei Ihnen sein, wenn sich einmal das letzte tiefe Tal vor Ihnen auftut? Das sind keine Fragen zur Panikmache oder zur Beförderung depressiver Gefühle. Solche Fragen bringt das Leben mit sich. Auch der ganz gewöhnliche Alltag.

Geliebte Menschen an der Seite, vertraute, verlässliche, erprobte Wegbegleitende: Sie sind wie klares, kühles Wasser für eine ausgedörrte Kehle. Aber schon wenn Sie sich fragen, ob Sie selbst ein solcher Mensch für andere sind, ob Sie es sein wollen, ob der gute Wille ausreichen wird, wenn es z.B. um die Herausforderung geht: „Liebet eure Feinde“, dann können Sie und ich sehr schnell etwas von unserem unerlösten Herzen spüren. Im Ernst: Glauben Sie nach 6 Millionen Holocaust-Ermordeten noch, dass unser Herz, solange es unerlöst ist, mit all` seinen Versuchungen, mit all den Ängsten um sich selbst und all` seinen Verführbarkeiten zur Gewalt so fertig werden kann, dass von dem eigenen Herzen nur Licht ausgeht?

In unserem Gesangbuch finden wir unter der Nummer 554 ein Lied, das uns besonders jetzt in der Passionszeit in eine große Stille und das größte Geschenk hineinführen will. Die 2. Strophe lautet:

 

Immer soll er mir vor Augen stehen,

wie geduldig er es trug,

als man ihn, erbärmlich anzusehen,

an das Holz des Kreuzes schlug.

Sterbend hat er auch um mich gerungen,
meine Schuld und meine Angst bezwungen,
und dann auch an mich gedacht,
als er rief: Es ist vollbracht.

 

Vollbracht. Auch für Sie. Um Ihr und mein Herz zu überwinden.

 

Ihr/Euer Pfarrer i.R. Gerd Schilling